Spam-Flut im März 2026

Was der Spamhaus-Graph zeigt — und warum SpamAssassin zunehmend versagt

Von: ICT Support / Mailserver Administration
Datum: 05. März 2026


Sechs Monate unter Dauerbeschuss!

Der Spamhaus DQS-Auswertungsgraph für den Mailserver zeigt den Zeitraum von September 2025 bis März 2026.

Drei Linien erzählen eine klare Geschichte:

LinieBedeutung
🟡 DQS TotalGesamtvolumen aller eingehenden Mails
🔵 DQS ListedVon Spamhaus als Spam-Quelle erkannt
🟢 DQS UnlistedNicht erkannt – zugestellt

Die gestrichelte Linie markiert den Durchschnitt von etwa 450 Abfragen pro Tag.

Auf den ersten Blick wirkt der Verlauf stabil.
Im letzten Abschnitt des Graphen zeigt sich jedoch eine kritische Verschiebung.


Der kritische Trend: Februar – März 2026

Ab Ende Februar 2026 steigt das Gesamtvolumen deutlich.

Am 06. März 2026 erreicht der Graph einen neuen Höchstwert nahe der 1000er-Marke – vergleichbar nur mit dem Ausreisser im Dezember 2025.

Auffällig dabei:

  • die blaue Linie (Listed) bleibt nahezu unverändert
  • die türkise Linie (Unlisted) steigt parallel zum Gesamtvolumen

Das Verhältnis:

KategorieAnteil
Listed13 %
Unlisted87 %

Mit anderen Worten:

Von 10 Spam-Mails erkennt Spamhaus aktuell nur etwa 1 bis 2.

Die restlichen 8 bis 9 Mails passieren die erste Verteidigungslinie.


Was die Analyse zeigt

Die manuelle Analyse von über 100 Spam-Mails aus diesem Zeitraum zeigt die Ursache.

Die Angreifer haben ihre Strategie deutlich weiterentwickelt.


1. Google als Schutzschild

Nahezu alle Spam-Mails werden über Google Mail Server versendet.

Typische IP-Ranges:

209.85.x.x

Verwendete Relay-Domains (Beispiele):

chuanmei528.com
wjqinghe.com
sedioliniauto.com
nasentc.com

Diese Domains nutzen:

  • Google Workspace
  • Google Groups
  • Gmail SMTP Infrastruktur

Der entscheidende Vorteil für Spammer:

  • Google-IP-Adressen stehen auf keiner Blacklist
  • SPF validiert
  • DKIM validiert

Für SpamAssassin und Spamhaus sieht die Mail daher technisch vollständig legitim aus.


2. Scores knapp unter dem SpamAssassin-Threshold

SpamAssassin erkennt viele dieser Mails grundsätzlich korrekt.

Typische Treffer:

BAYES_99
BAYES_999
URIBL_RED

Trotzdem bleiben die Scores knapp unter dem Spam-Threshold.

KampagneSpamAssassin ScoreThresholdErgebnis
Lions Spray / Mounjaslim3.95.0durchgelassen
Schwarzschimmel4.4 – 6.25.0 – 7.0teilweise durch
Flixy TV4.0 – 5.95.0 – 7.0durch
Cannabis Lieferung2.97.0durch

Die Spammer testen offensichtlich aktiv gegen SpamAssassin-Konfigurationen.

Sie optimieren ihre Inhalte so lange, bis sie knapp unter dem Schwellenwert bleiben.


3. Backscatter als Nebeneffekt

Eine Folge der Spam-Welle sind zahlreiche Backscatter-Mails.

Betroffene Absender:

  • trainingcreatively.com
  • headsforbrands.ch
  • dastn.com
  • tickster.zendesk.com

Diese Systeme senden automatische Antworten an gefälschte Absenderadressen, die auf Kunden-Domains des Mailservers zeigen.

Die Mails sind technisch korrekt, aber sie

  • verstopfen Postfächer
  • verwirren Benutzer
  • erhöhen zusätzlich die Mailmenge.

Warum klassische Spamabwehr hier versagt

Die aktuelle Situation zeigt ein strukturelles Problem moderner Spamabwehr.

Reputationsbasierte Systeme

Beispiele:

  • Spamhaus
  • klassische RBLs

Diese Systeme funktionieren gut bei:

  • Botnetzen
  • bekannten Spam-IP-Netzen

Sie funktionieren schlecht bei:

  • Cloud-Infrastruktur
  • Google
  • Microsoft
  • Mailchimp / Brevo

Die Reputation gehört der Infrastruktur, nicht dem Spammer.


Content-Filter

SpamAssassin erkennt viele Inhalte korrekt.

Aber:

Wenn der Score 0.1 Punkte unter dem Threshold liegt, wird die Mail zugestellt.

Das nutzen Angreifer gezielt aus.


Empfohlene Massnahmen

Kurzfristig

  • SpamAssassin Threshold auf 4.0 senken
  • lokale SA-Regeln für bekannte Relay-Domains erstellen
  • Plesk-Blockliste erweitern

Beispiele:

chuanmei528.com
wjqinghe.com
sedioliniauto.com
nasentc.com

Mittelfristig

Zusätzliche Filter aktivieren:

  • URIBL
  • SURBL
  • ivmSIP

Kollaborative Spam-Erkennung:

  • Razor
  • Pyzor

Technische Massnahmen:

  • Greylisting für unbekannte Absender

Viele Spam-Relay-Systeme versuchen keinen zweiten Zustellversuch.


Strategisch

Prüfen:

  • zusätzliche Inhaltsprüfung für Google-Mail-Zustellungen
  • kontinuierliche EML-Sampling-Analyse
  • schnelle Identifikation neuer Spam-Domains

Derzeit ist manuelle Analyse oft besser als automatisierte Filter.


Fazit

Der Spamhaus-Graph vom 06. März 2026 ist ein klares Warnsignal.

Die 87 % Unlisted-Rate bedeutet nicht, dass Spamhaus versagt.

Sie zeigt:

Spammer kennen die Grenzen reputationsbasierter Systeme – und nutzen sie gezielt aus.

Die Kombination aus

  • Cloud-Relay-Infrastruktur
  • präzisem SpamAssassin-Tuning
  • ständig wechselnden Domains

macht diese Spam-Welle besonders schwer zu blockieren.

Die wirksamste Verteidigung bleibt ein mehrschichtiger Ansatz:

  • Domain-Sperren
  • Content-Scoring
  • kollaborative Filter
  • manuelle Analyse.

Analyse basierend auf

  • 100+ EML-Samples
  • Dovecot-Logs
  • Spamhaus DQS Daten

Mailserveanalyse: ictsupport.ch